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Steueranrechnung für Handwerkerleistungen: Arbeiten in Werkstatt begünstigt

Steueranrechnung für Handwerkerleistungen

Beauftragen Sie in Ihrem Privathaushalt einen Handwerker mit Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen, können Sie für diese Leistungen in Ihrer Einkommensteuererklärung eine Steueranrechnung nach § 35a Abs. 3 EStG beantragen. Das Problem dabei: Für Handwerkerleistungen, die nicht „im Haushalt“ stattfinden, lehnen die Finanzämter die Steueranrechnung ab. Doch ein Urteil eines Finanzgerichts könnte nun eine Trendwende bringen.

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So profitieren Sie von der Steueranrechnung

Die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen gibt es für Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsarbeiten in Ihrem Privathaushalt. Begünstigt sind nur Leistungen wie Arbeitsstunden, Anfahrtskosten sowie Maschinenstunden, nicht dagegen die Ausgaben für Waren und Material. Zudem ist Voraussetzung, dass die Handwerkerleistungen „im Haushalt“ stattfinden. Konkret: Lassen Sie sich also eine Küche von einem Schreiner erstellen, dürfen nach derzeitiger Verwaltungsauffassung nur für die Kosten des Einbaus der Küche eine Steueranrechnung beantragen (= Arbeiten im Haushalt). Für die Schreinerarbeiten  in der Werkstatt verweigern die Sachbearbeiter in den Finanzämtern dagegen eine Steueranrechnung (= Arbeiten außerhalb des Haushalts).

Trendwende durch neue Rechtsprechung des Finanzgerichts?

Die Richter des Finanzgerichts stellten sich jedoch nun gegen die Auffassung der Finanzämter und urteilten, dass auch für Arbeiten außerhalb des Haushalts eine Steueranrechnung für Handwerkerleistungen in Betracht kommen kann. Und zwar dann, wenn die Handwerkerleistungen in unmittelbarem Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden. In dem Urteilsfall ließ ein Eigenheimbesitzer die 60 Jahre alte Haustüre seines Hauses von einem Schreiner reparieren. Das Finanzamt erkannte nur die Ein- und Ausbaukosten als begünstigte Handwerkerleistungen an. Die Richter des Finanzgerichts München gewährten die Steueranrechnung dagegen auch für die Schreinerarbeiten in der Werkstatt. Ihre einleuchtende Begründung: Die Arbeiten in der Werkstatt stehen in einem funktionalen Zusammenhang mit dem Haushalt (FG München, Urteil v. 23.2.2015, Az. 7 K 1242/13). 

Beispiel

Ein Steuerzahler lässt seine Haustüre von einem Schreiner ausbauen und reparieren. Der Schreiner stellt für die Ein- und Ausbauarbeiten 200 Euro und für die Arbeiten in der Werkstatt (ohne Material) 800 Euro in Rechnung. 

 

So rechnet der EigenheimbesitzerSo rechnet das Finanzamt
Begünstigte Handwerkerleistungen 1.000 Euro 200 Euro

Steueranrechnung nach § 35a Abs. 3 EStG

200 Euro (1.000 Euro x 20%)

40 Euro (200 Euro x 20%)

In neuen Anwendungserlass des Bundesfinanzministeriums wird bleibt dieses Urteil unerwähnt (BMF, Schreiben v. 9.11.2016, Az. IV C 8 - S 2296-b/07/10003 :008). Es handelt sich nach Ansicht der Finanzbeamten wohl um ein Urteil, das nicht über den entschiedenen Fall anzuwenden ist.

So funktioniert die optimale Steueranrechnung

Möchten Sie für Handwerkerleistungen in Ihrem Privathaushalt, die teilweise aber auch in der Werkstatt des Handwerkers stattgefunden haben, eine Steueranrechnung beantragen, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

Schritt 1: Beantragen Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung die Steueranrechnung für Handwerkerleistungen für den Rechnungsbetrag ohne Waren und Material.

Schritt 2: Weise Sie allerdings in einer Anlage zur Einkommensteuererklärung darauf hin, dass Sie wegen des Urteils des Finanzgerichts München vom 23.2.2015 (Az. 7 K 1242/13) auch die Ausgaben für die Arbeiten in der Werkstatt einbezogen haben.

Schritt 3: Der Sachbearbeiter im Finanzamt wird normalerweise den Rotstift ansetzen und die Steueranrechnung für die Handwerkerleistungen in der Werkstatt streichen.

Schritt 4: Gegen den nachteiligen Steuerbescheid müssen Sie innerhalb eines Monats nach Erhalt Einspruch einlegen. Begründen Sie Ihren Einspruch wieder mit dem FG-Urteil vom 23.2.2015 und zusätzlich mit dem Hinweis, dass ein funktionaler Zusammenhang mit Ihrem Haushalt besteht, wenn die Reparatur wie die Haustüre elementar notwendig war.

Schritt 5: Lehnt der Sachbearbeiter dennoch ab, bitten Sie um eine Einspruchsentscheidung.

Schritt 6: Haben Sie eine Einspruchsentscheidung, können Sie gegen diese nur noch im Klageweg vorgehen. Die Chancen auf Erfolg stehen jedoch sehr gut.

Praxis-Tipp

Damit Sie überhaupt eine Chance haben von der Steueranrechnung für Handwerkerleistungen profitieren zu können, sollten Sie drei grundlegende Steuerspielregeln beachten. 1. Sie brauchen eine Rechnung über die erbrachten Handwerkerleistungen. 2. Eine Steueranrechnung winkt nur, wenn die Rechnung des Handwerkers unbar beglichen wird, also durch Überweisung oder durch Abbuchung. 3. Sie müssen Steuern bezahlen. Müssen Rentner beispielsweise keine Steuern bezahlen, steht ihnen auch keine Steueranrechnung für Handwerkerleistungen zu.

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