Zurück zur Übersicht

Voraussetzungen des Teileinkünfteverfahrens auf Gewinnausschüttungen

GmbH Gewinnausschüttung: Besteuerung der Abgeltungssteuer

Sind Sie an einer GmbH beteiligt und erhalten von dieser GmbH eine Gewinnausschüttung, unterliegt diese Gewinnausschüttung als Kapitalertrag der Besteuerung mit der 25%igen Abgeltungsteuer. Ein Manko bei Besteuerung mit der Abgeltungsteuer ist jedoch, dass Sie keine Werbungskosten abziehen dürfen. Doch unter bestimmten Voraussetzungen gibt es eine Ausnahme. Gemeint ist die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren.

Die Steuersoftware für Selbstständige

Die Steuersoftware für Selbstständige

nur 34,90 €

Jetzt bestellen

Grundfall: Besteuerung der Gewinnausschüttung mit der Abgeltungsteuer

Sind Sie als Gesellschafter an einer GmbH beteiligt und erhalten eine Gewinnausschüttung, muss die GmbH die 25%ige Abgeltungsteuer einbehalten und ans Finanzamt abführen. Damit ist die Sache für Sie erledigt. Sie müssen die erhaltene Gewinnausschüttung nicht mehr in der Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung erfassen. Einziges Manko: Haben Sie den Kauf der GmbH-Beteiligung fremdfinanziert und haben im Jahr des Erhalts der Gewinnausschüttung noch Zinsen an die Bank bezahlt, sind diese bei der Abgeltungsteuer nicht als Werbungskosten abziehbar.

Beispiel

Sie sind zu 100% an einer GmbH beteiligt und erhielten 2015 eine Gewinnausschüttung in Höhe von 50.000 Euro. Ihr persönlicher Einkommensteuersatz beträgt 35%. Den Kauf des GmbH-Anteils haben mittels eines Bankdarlehens finanziert. Dafür sind Ihnen 2015 Schuldzinsen in Höhe von 15.000 Euro angefallen.

Folge: Die GmbH führt auf die Gewinnausschüttung 25% Abgeltungsteuer und 5,5% Solidaritätszuschlag ans Finanzamt ab. Werbungskosten sind nicht abziehbar. Deshalb ist die Sache mit der Gewinnausschüttung für Sie aus steuerlicher Sicht erledigt.

Ausnahmeregelung: Besteuerung der Gewinnausschüttung nach dem Teileinkünfteverfahren

Es gibt jedoch eine Ausnahme zur Abgeltungsteuer. Sind die folgenden Voraussetzungen erfüllt, besteuert das Finanzamt nur 60% der Gewinnausschüttung mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz und lässt 60% Werbungskosten zum Abzug zu (= Teileinkünfteverfahren nach § 32d Abs. Satz 1 Nr. 3a und Nr. 3b EStG):

  1. Sie sind zu mindestens 25% an der Kapitalgesellschaft beteiligt oder
  2. Sie sind zu mindestens 1% an der Kapitalgesellschaft beteiligt und beruflich

Praxis-Tipp: Bei der 2. Variante hat die Finanzverwaltung bislang vorausgesetzt, dass Sie durch die berufliche Tätigkeit Einfluss auf die Geschäftsleistung nehmen müsen. Das war jedoch dem Einkommensteuergesetz nirgends zu entnehmen. Deshalb hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass das Teileinkünfteverfahren bei Variante 2 auch dann anzuwenden ist, wenn Sie keinen Einfluss auf die Geschäfte der GmbH nehmen können (BFH, Az. VIII R 3/14).

Beispiel 2

Sie sind zu 50% an der XY-GmbH beteiligt und erhalten eine Gewinnausschüttung von 20.000 Euro. Da Sie den Kauf des GmbH-Anteils fremdfinanziert haben, mussten Sie 10.000 Euro Schuldzinsen an die Bank bezahlen. Ihr persönlicher Einkommensteuersatz beträgt 35%.

 

Besteuerung mit Abgeltungsteuer

Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren

Gewinnausschüttung

20.000 Euro

20.000 Euro

Werbungskosten

0 Euro

-10.000 Euro

= zu versteuernde Gewinnausschüttung

20.000 Euro

6.000 Euro (10.000 Euro x 60%)

Streuerlast inklusive Solidaritätszuschlag

5.275 Euro

2.215,50 Euro

Fazit: Es lohnt sich also auf jeden Fall für Sie, das Teileinkünfteverfahren in Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung zu beantragen. Sie erfüllen die Voraussetzungen zum Teileinkünfteverfahren, weil Sie zu mindestens 25% an der ausschüttenden GmbH beteiligt sind. 

Beispiel 3

Sie sind zu 5% an einer GmbH beteiligt und sich zugleich als Sekretärin für die GmbH tätig. Sie erhalten von der GmbH eine Gewinnausschüttung in Höhe von 5.000 Euro. Für den Kauf des Anteils haben Sie ein Darlehen aufgenommen und zahlen dafür 2.500 Euro Zinsen an die Bank. Können Sie das Teileinkünfteverfahren beantragen?

Antwort: Ja, können Sie. Sie sind zu mindestens 1% an der GmbH beteiligt und außerdem beruflich für diese tätig. Eine Einflussnahme auf die Geschäfte der GmbH ist für die Anwendung des Teileinkünfteverfahrens nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs kein Muss mehr. 

Praxis-Tipp:

Damit das Finanzamt für Gewinnausschüttungen die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren durchführt, muss der Antrag zusammen mit der Einkommensteuererklärung beim Finanzamt in Anlage KAP gestellt werden. Eine nachträgliche Beantragung ist nicht mehr möglich.

War dieser Artikel hilfreich?16
Jetzt bestellen

Starten Sie jetzt durch mit TAXMAN 2019

  • keine lästigen Steuerformulare, kein umständliches Behördendeutsch
  • Sicher dank lokaler Datenhaltung und ELSTER-Ansicht
  • Umfangreichste Hilfe seiner Klasse

nur €29,90

Nach oben